Ein Vorurteil kommt selten allein

• Vorurteile sind vielleicht nicht immer endgültig, dafür aber stets präsent. Dabei sind wir aber jederzeit fähig, zu bemerken, wenn sich wieder ein stereotypes Bild einschleicht. Dafür ist es allerdings unerlässlich, die eigene Einstellung zum Unbekannten zu hinterfragen. Dabei scheinen sich die alten Klischees aber leider immer wieder zu bestätigen. Wer schafft es schon, die entstandene Vorstellung ständig mit der Wirklichkeit abzugleichen? Meistens bleibt nur die Oberfläche zurück – aber die dann dauerhaft und umso folgenschwerer. Denn ein Vorurteil kommt selten allein…

Unverlässlich, aber trotzdem präsent

Über Personen urteilen wir meist ganz unbewusst und doch systematisch. Das Äußere ist dabei sehr entscheidend – ob wir wollen oder nicht. Mimik, Gestik und Kleidung vermitteln ein gewisses Selbst- und Fremdbild. Doch wie verlässlich sind unsere Schlussfolgerungen dabei wirklich? Verschränkte Arme können einerseits Ablehnung signalisieren, andererseits kann dem Gegenüber auch einfach nur kalt sein. Also was bringen diese Denkschablonen überhaupt? Woher stammt ihre Daseinsberechtigung?

Von der Oberfläche zum Ursprung

Der Mensch denkt oft in vertrauten Bahnen. Unser Gehirn muss in kürzester Zeit eine Unmenge von Informationen verarbeiten. Kategorisieren ist bei der Datenbewältigung ein hilfreicher Prozess. Traf der Urmensch auf eine bekannte Situation, konnte er Gefahren besser einschätzen und so schneller reagieren. Die Vorsicht treibt uns also instinktiv dazu, in Schubladen zu denken. Doch in der heutigen Gesellschaft, wo es so gar nicht mehr um Leben und Tod geht, sind solche starren Muster weniger hilfreich. Und so wird aus nützlichen Denkschienen eine eher fehlgeleitete Menschenkenntnis.

Urteil und Wertung

Wir alle sind verschieden – aber wann wird eine einfache Unterscheidung zu einer Diskriminierung? Eben genau dann, wenn wir diese Ungleichheit werten, unser Handeln danach ausrichten und so das „Andere“ ausgrenzen. Doch wann urteilen wir vorschnell und dürfen wir überhaupt urteilen? Und wie flexibel sind überhaupt unsere Vor-Verurteilungen? Entscheidend ist, ob wir bei jenem ersten Eindruck stehen bleiben. Denn der muss nicht immer der richtige sein. Wir sollten immer offen für eine Überholung unserer Auffassung bleiben – für eine neue, für eine andere Sicht. Denn ein frischer Blick hinter die Fassade lohnt sich doppelt: gegen bestehende Klischees und für den individuellen Menschen dahinter.

Intolerainment

Ganz davon abgesehen kann Intoleranz natürlich auch sehr unterhaltsam sein: Durch einfaches Beobachten der Menschen in der Fußgängerzone ihre Schwächen und deren Ursachen zu analysieren, hat sicher jeder von uns schon mal gemacht. Wenn wir fremde Gespräche belauschen, kommen wir selten um ein Schmunzeln herum. Aber eines sollten wir dabei nicht vergessen: Das geht dem anderen mit uns sicher genauso! Es sind immer die anderen, die doof sind. Eben diese Vereinfachung täuscht darüber hinweg, dass es bloß vorschnelle Aussagen sind, für die wir meist keine fundierten Argumente haben. Aber feststeht: In Vorurteilen stecken zu bleiben, ist traurig und sollte definitiv verurteilt werden.

Ein Kommentar zu “Ein Vorurteil kommt selten allein

  1. Die ersten 3-Sekunden sind die besten, da zu diesem Zeitpunkt der moderne Teil des Gehirns noch nicht eingesetzt hat und nur unser „Uhrzeit“-Gehirn regiert und das kennt nur folgende Fragen:
    Kann ich es essen?; Kann es mich essen?; Kann ich mich damit paaren?
    Erst danach kommt die Intoleranz.

Kommentarfunktion geschlossen.