Ex-Konkurrenz

• Ex-Partner sind den aktuellen Partnern oft ein Dorn im Auge. Ständig konfrontiert mit der immer präsenten Vergangenheit wird jedes Indiz auf die vergangene Liebe mit Argwohn betrachtet und versucht, sie möglichst bald aus den verstaubten Regalen zu verbannen. Große Räumung ist angesagt. Der alte Beziehungsballast gehört abgeworfen. Weg mit der latenten Bedrohung, dem Maßstabs-Mahnmal einstigen Glückes. Denn es gilt: Es muss Raum für Neues geschaffen werden. Also alte Liebe raus, neue Liebe rein. Damit der alte Platz frei wird – frei für die neue Liebe. Und damit die Konkurrenz der Ex endgültig zur Ex-Konkurrenz wird.

„Es kann nur einen geben“

Der Konkurrenzdruck ist immens. Denn es wird davon ausgegangen, dass in einem Herzen nur ein einziger Platz frei ist. Und schon geht die berühmte „Reise nach Jerusalem“ los – und wehe, da sitzt schon jemand! Das ist gegen die Spielregeln. Und schon beginnen die Besitzansprüche: Dieser Platz gehört jetzt mir. Du hast hier gar nichts mehr zu suchen. Du hattest deine Chance und jetzt bin ich an der Reihe. Nun gehört mir die erste Geige.

Ex-Akten

Und sollte der Partner nicht kooperieren und sich nicht den Distanzwünschen der neuen Liebe beugen, werden die Gefühle ganz einfach infrage gestellt. Dann heißt es: Aha, du bist also noch nicht bereit für etwas Neues. Du kannst mich nicht lieben, wenn da noch jemand anderes ist. Komm erst mal über deine Ex hinweg! Oder: Du hast da mit deinem Ex noch was zu klären. Und deshalb wird die erste Öffnung der Ex-Akten auch als so heikel empfunden. Wie sind sie auseinandergegangen? Im Schlechten oder im Guten? Wie viel erzählt der Gegenüber vom Ex? Ist die vergangene Beziehung wirklich vorbei? Oder gibt es da wohlmöglich doch noch Gefühle? Haben die Beiden noch Kontakt? Warum hat sie immer noch Sachen von ihm? Wieso hat er immer noch einen Schlüssel zur Wohnung? Könnte die alte Liebe sogar wieder aufflammen? Gefahr, Konkurrenz, Bedrohung.

Prophylaxe

Die Trennung gibt aber auch Aufschluss über potenzielle Fallstricke in der aktuellen Beziehung. Wie tickt der andere beim Schluss machen? Waren die Trennungen ehrlich und fair oder droht irgendwann eine simple Abspeisung übers Handy? Da werden die Altlasten richtig ausgeweidet, um für die eigenen Trennungssituationen vorzusorgen.

Worst Case: Beste Freunde

Es geht meist gar nicht darum, ob die beiden Ex-Partner noch sexuellen Kontakt haben oder nicht. Es geht um die Intensität des übrig gebliebenen Verhältnisses. Und der schlimmste Fall ist: Sie sind befreundet. Beste Freunde. Und dieser innigen und über lange Zeit geknüpften Beziehung ist noch viel schwerer nachzukommen. Die verstehen sich einfach zu gut, kennen sich zu lange. Da kommt man nicht rein und fühlt sich ausgeschlossen. Und dem Partner eine Freundschaft zu verbieten, wird zwar teilweise versucht, ist aber äußerst schwierig. Gerade wenn die neue Liebe noch frisch ist und solcherlei Ansprüche noch nicht mit dem nötigen Nachdruck geltend gemacht werden können.

Neid

Anstatt sich zu freuen, dass mit verblasster Liebe rücksichtsvoll umgegangen wird – also kein Rosenkrieg, kein nachträgliches Abwerten der verlebten Gefühle oder der gesamten Partnerschaft – herrschen Neid und Missgunst. Da wird dem Partner kein freundschaftliches Verhältnis zu Verflossenen gegönnt. Schwer genug, dass da schon andere vor mir waren. Denn der Wunsch nach einem exklusiven Platz im Leben des Anderen ist für eine Liebesbeziehung maßgeblich. Sowohl sexuell als auch emotional muss Monogamie gelebt sein.

Jetzt neu – und noch besser!

So fühlt man sich um den versprochenen Platz betrogen. Dabei hat man doch als offizieller Freund oder Freundin ein Anrecht auf die gängigen Superlative. Die neue Beziehung soll ja kein billiger Abklatsch der alten sein, sondern wichtiger und harmonischer als die alte Liebe. Sie nicht ersetzen, sondern übersteigen: schöner, glücklicher und mit besserem Sex allemal. Rückschritte darf es in der Liebesevolution nicht geben. Denn das Alleinstellungsmerkmal ist eine notwendige Bedingung für die romantische Liebe. Außerdem gibt man sich ja nicht mit weniger zufrieden. Also wird verglichen, abgewogen und geschätzt und sucht in den Worten des Gegenübers nach Anhaltspunkten, die die vergangene Beziehung höher schätzen als die aktuelle. Dieses Vergleichsmoment ist Brutnest für Zwist und Vorwürfe. Und wie sich da eine harmonische Beziehung entwickeln soll, ist mehr als fragwürdig.